Polarkreis 18 – Das suggeriert Kälte und Weite, Sterilität und Reduktion. Tatsächlich geht die Band spielerisch mit diesen
Assoziationen um. Spricht man in Bildern, erzeugen Polarkreis 18 in ihren Liedern gleichsam Eiskristalle wie auch die
Wärmequelle, welche selbige zum Schmelzen bringt. Sie verwenden raue Samples, doch weiche Melodien. Zuweilen
wirken sie zurückgezogen, bescheiden und doch sind ihre Stücke gewaltige Epen, herausfordernd und vereinnahmend.
Wer die Dresdner Band einmal live erlebt, bleibt davon nicht unberührt.
Eine Vielzahl an Schichten und Sounds, instrumentale Breiten und stimmliche Höhen reiben sich, kreuzen einander,
trippeln, tänzeln umeinander herum. Die jungen Musiker spielen ihre Instrumente mit akribischer Gewissenhaftigkeit, sie
sind tief versunken in das, was sie tun. Ihr Sänger Felix Räuber verzieht grimassenhaft das Gesicht während er jede
Emotion in Gesang verwandelt, hier ein Flüstern, dort ein Schrei. Die Stimme ist Transmitter von Gefühl und Klang, der
Text ist Nebensache. Zuweilen wirft es ihn um, er taumelt und stampft. Sein Tanz ist reiner Instinkt, eine Notwendigkeit.
Polarkreis 18 arbeiten subtil. Sie erzeugen Assoziationen und Atmosphäre, entfesseln Emotionen, bringen
Unterschwelliges zu tage.
Aus synthetischen Flächen und boxenden Beats, drohenden Gitarrenwänden und gezupften Saiten, allerlei Geräuschen
und diesem Falsett-Gesang zaubern die fünf jungen Männer ein gekonntes und durchdachtes Arrangement. Sie sind
Tüftler und Träumer. Sie sind neugierig und keine Anfänger. Acht Jahre ist es schon her dass „Jack Of All Trades“, die
Band aus welcher Polarkreis 18 später hervorging, gegründet wurde. Damals waren sie so zwischen 13 und 15 Jahren alt
und noch an Metal- und Punk-Vorbildern orientiert. Der Polarkreis-Sound von heute gründet sich auf diesen Ursprung und
das folgende Bedürfnis, stetig voranzuschreiten und zu experimentieren. Diese Konstante im Wirken von Polarkreis 18
manifestiert sich noch jetzt in jedem ihrer Songs, denen ein treibender Drang innewohnt und die Lust, sich
auszuprobieren.
Den Mut dazu hat die Band von Beginn an. Ohne Plattenlabel im Rücken nehmen Polarkreis 18 2004 eine CD mit zehn
Stücken auf, die sie übers Internet und auf Konzerten zum Verkauf anbieten. Sie buchen selbst kleine Touren und
Festival-Gigs. Sie entwickeln einen Film zur Visualisierung ihrer Auftritte: den „Klangfilm“, der skurrile Szenen der
einzelnen Bandmitglieder und Reflektionen des Lichts in einer Waldlandschaft zeigt.
Im Frühjahr 2006 gewinnen Polarkreis 18 das Dresdner Landesfinale des f6 Music Awards des größten Newcomer-
Förderpreises der neuen Bundesländer. Als einer von sechs weiteren Landes-Finalisten, machen sie beim großen Finale
des Wettbewerbs am 04. Februar in Berlin schließlich den zweiten Platz. Das Berliner Independent-Label Motor Music
wird auf die fünf Dresdner aufmerksam und nimmt Polarkreis 18 im August 2006 unter Vertrag.
Zur Zeit arbeiten Christian Grochau (Schlagzeug), Felix Räuber (Gesang, Gitarre), Philipp Makolies (Gitarre), Bernhard
Wenzel (Keyboard, Elektronik) und Uwe Pasora (Bass) an ihrem neuen Album. Man darf auf Großes gespannt sein.
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