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Ein Faible für mechanische Uhren

Ein Faible für mechanische Uhren
Sein Herz schlägt für mechanische Uhren - genau genommen für die Uhrwerke, in der Fachwelt als Kaliber bezeichnet. Mirko Heyne aus Schlottwitz im Müglitztal ist Uhrenkonstrukteur bei Nomos Glashütte, einem der zwölf Uhrenhersteller in dem sächsischen Uhrenstädtchen mit Weltruf.

Glashütte . Sein Herz schlägt für mechanische Uhren - genau genommen für die Uhrwerke, in der Fachwelt als Kaliber bezeichnet. Mirko Heyne aus Schlottwitz im Müglitztal ist Uhrenkonstrukteur bei Nomos Glashütte, einem der zwölf Uhrenhersteller in dem sächsischen Uhrenstädtchen mit Weltruf. Dem 34-jährigen Familienvater, der nahe Dresden aufwuchs, wurde die Faszination für die filigrane Technik im Innern der Zeitmesser quasi in die Wiege gelegt. «Mein Großvater hatte ein Uhrmachergeschäft im erzgebirgischen Aue. Da habe ich in den Ferien immer in der Werkstatt mithelfen dürfen», berichtet Heyne.

Den Berufswunsch Uhrmacher gab es aus diesen Erfahrungen heraus allerdings zunächst nicht bei ihm. «Ich wollte anfänglich Cellist werden», sagt Heyne. Seit seinem sechsten Lebensjahr hatte er das Instrument erlernt und bis zum Abitur immer weiter perfektioniert. Sogar die Zulassung für die Musikhochschule hatte er schon in der Tasche, dann kam aber der Zivildienst dazwischen. «Ich glaube zwar nicht an Schicksal, aber irgendetwas in dieser Richtung war es wohl doch», sagt der 34-Jährige im Rückblick.

Als Musiker wäre er wohl nie ein Weltstar geworden, sei ihm bei seiner Arbeit in einem Pflegeheim bewusst geworden. Und in einem Orchester nach den Taktvorgaben des Dirigenten zu spielen, entspreche so gar nicht seinem Naturell. Statt fürs Cello interessierte sich Heyne nun für die Bühne und wollte Schauspieler werden. Er bewarb sich an einer Schauspielschule. Nach dem ersten Vorspielen zwang den jungen Mann sein erschöpftes Budget allerdings zum Jobben auf Baustellen und in einem Betonplattenwerk.

Über Kontakte nach Glashütte fand Heyne schließlich eine Lehrstelle in der 1997 neu gegründeten Uhrmacherschule von Lange Söhne. «Seit dem ersten Tag der Lehre habe ich diesen Schritt nicht einmal bereut», sagt er heute. Nach der Ausbildung gründete Heyne gemeinsam mit einem Kompagnon in Dresden die Uhrmacherfirma Lange Heyne, an der er inzwischen aber nicht mehr beteiligt ist.

Stattdessen heuerte der gelernte Uhrmacher 2002 bei Nomos an und konstruierte für das Unternehmen seither bereits zwei neue Uhrwerke, darunter ein Automatikkaliber. Seine Weltzeituhr befindet sich mit 300 Testexemplaren gerade in der Markteinführung und soll spätestens ab Frühjahr 2011 im Handel sein. Mit einem einfachen Knopfdruck können Globetrotter auf der Uhr nach der Ankunft in einem neuen Land die korrekte Ortszeit anzeigen lassen, die Uhrzeit in der Heimat bleibt in einer kleinen Anzeige ständig präsent.

»Mit Kreativität etwas Funktionierendes schaffen«, so beschreibt Heyne seine Arbeit. Zwei bis drei Jahre tüftelt er an einem neuen Kaliber. Eine einfache Bedienung der Uhr stehe dabei im Vordergrund, sagt er. Und natürlich dürfen Durchmesser und Dicke trotz zahlreicher Komplikationen - so heißen in der Fachsprache die Zusatzfunktionen neben der reinen Anzeige der Ortszeit - nicht ausufern. Schließlich wolle niemand eine Wanduhr am Arm tragen.

Rund 120 bis 200 Einzelteile und Baugruppen stecken in einem Nomos-Gehäuse, die Kosten für die Entwicklung eines neuen Kalibers gibt die Firma mit 250 000 bis 500 000 Euro an. Trotz moderner Computerprogramme gehört auch heute noch reine Handarbeit zur Entwicklung neuer Uhrwerke. Beim Prototypenbau muss Heyne immer selbst in die Werkstatt, wie früher bei seinem Großvater.

In seiner Freizeit sammelt Heyne zwar keine Uhren. Er interessiert sich aber für antike Taschenuhren, die ab dem 18. Jahrhundert auf den Markt kamen. Zum Cello greift er im Familienkreis nur noch selten. »Die Hände verlernen schnell, die Ohren aber nicht", sagt der 34-Jährige.



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 18.08.2010
Redaktion DD-INside.com


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