“And If You Don`t Knew, Now You Know!”
Zehn Jahre. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Am 9. März 1997 verlor die Welt einen der begnadetsten Rapper aller Zeiten. Die Rede ist natürlich von Notorious B.I.G aka Frank White aka Biggie Smalls aka King of New York aka Christopher Wallace aka Big Poppa aka....! Am 7.März 1997 wurde Biggie in Kalifornien mehrfach angeschossen und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Über mögliche Hintergründe der Tat, Zusammenhänge mit der Ermordung Tupacs und potentielle Mörder wird nach wie vor hart spekuliert. Es ist nur klar, dass das vorzeitige Ableben Biggies einen ebenso großen Krater in der Musikwelt hinterlassen hat wie der Tot seines „Erzfeindes“ Tupac.
Die Karriere von BIG könnte in einem Bilderbuch nicht besser illustriert werden. 1994 brachte Biggie sein erstes Album „Ready to Die“ über Puff Daddys Label BAD BOY ENTERTAINMENT raus, landete direkt auf Platz Nummer 1 der Billboards, erreichte mehrfachen Platin-Status und machte Biggie auch weit über die Grenzen New Yorks zum absoluten Superstar der Rap Szene. Irgendwie war er auch gleichzeitig die Reanimation der gesamten Eastcoast. Bis dahin beherrschten die bösen Jungs aus L.A., allem voran TUPAC, D.R.E und SNOOP das Rap-Geschehen. Der junge Biggie aus Brooklyn schaffte es aber das harte New York Leben in seinen Tracks so zu transportieren, dass er eine Breite Fangemeinschaft hinter sich brachte und eine Art Gegenpol zum Gangstertrap der Westcoast schuf.
Der ganze Eastcoast – Westcoast Beef soll jetzt jedoch einfach vernachlässigt werden. Die Kombination aus dem überdurchschnittlich entspannten aber trotzdem druckvollen Flow, der leicht genuschelten Sprache und der von Biggie repräsentierten Arroganz wurde zum absoluten Aushängeschild der Eastcoast, welche vorher vielmehr durch düstere und weniger melodiöse Protagonisten (BCC, QBC etc.) geprägt war.
Im Zuge des großen Erfolges von Biggie tauchte auch eine Reihe von bis dato völlig unbekannten Künstlern auf. Bei dem BAD BOY Projekt „JUNIOR M.A.F.I.A.“ tobten sich neben Biggie auch Lil`Cease und LIL`KIM erstmals in Form von musikalischen Produkten aus. Junior Mafia Hörpflicht ist besonders „Get Money“ . Zum einen weil der Track Hammer ist, zum zweiten weil der Beat auch die Grundlage für „ Hit’em Up“, dem Abrechnungstrack von Tupac war. Auch andere Künstler ließen sich vom Erfolg Biggies beflügeln. Egal ob Mobb Deep, Nas, Cormega, Jay Z oder Puff Daddy selbst, alle profitierten von dem Neuen Biggie Flavour.
Den riesigen Erfolg seines Doppel-Meisterwerks „Life After Death“ bekam Biggie leider nicht mehr mit. Das Album erschien, als letztes wirkliches Biggie Album, zwei Wochen nach seinem Tod. Auch wenn bis 2005 immer wieder zusammen geschnittene Alben von BIG erschienen, reicht es eigentlich wenn man „Ready To Die“ und „Life After Death“ besitzt. Vielleicht hat sich Puffy ja wirklich Mühe gegeben alle Post- Mortem Alben und Tribut-Zusammenstellungen im Biggie Style zu produzieren, das ist ihm aber nicht gelungen. Wie so oft gilt eben: Nur echt klingt echt. Die Suche nach musikalischen Highlights von Biggie ist dagegen relativ schnell abgeschlossen. Entweder man mag den Sound von Biggie oder man hört halt Rave-Musik. Die Highlights der Highlights sind subjektiv gesehen: “Dreams“, „Notorious Thugs“, “Juicy“, “Dead Wrong” , “Kick In The Door” und alle(!) anderen Tracks vom Berüchtigten Dicken.
Um Big Poppa (er mag es wenn man ihn so nennt) gebührend zu würdigen, folgen ein paar einfache Überlegungen, wie es wäre würde Biggie noch leben. Und das alles in einem äußerst optimistischen Szenario.
Würde Biggie noch leben, würden wir am 21. Mai bestimmt mit ihm zusammen seinen 35. Geburtstag feiern. Bei dieser Party würde sicherlich kein einziger Track von, irgendwelchen 50 Cents, Dipsets oder Ja Rules zu hören sein. Die Jungs würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in dieser Bekanntheit geben. Biggie würde eventuell noch immer rappen, wahrscheinlich aber vielmehr irgendwo ein eigenes Label haben, das wirklich guten Rappern eine Plattform bietet und den Markt beherrscht. Jay Z würde nicht so den breiten machen können.
Frauen würden sich auch zu richtig dicken Männern hingezogen fühlen. Puffy wäre wahrscheinlich in einer realeren Welt als er es jetzt ist. Wir würden nicht mit Kollabos zwischen billigen Popschlampen und Mode- designenden, rumhampelnden Recycling- Produzenten konfrontiert werden.
Wir würden auf der Autobahn entspannt mit 140 Km/h Sprit sparen und uns Biggies zehntes Album anhören; mit Feature Tracks von Snoop, TOO SHORT, Smif-N-Wessun und Nas. Weltweit würden sich ambitionierte Rap Newcomer von Biggie beeinflussen lassen und entsprechend auf einem verdammt hohen Niveau an den Start gehen, statt sich kugelsichere Westen anzuziehen und Trennkost zu konsumieren.
Wir wüssten bestimmt längst wer TUPAC wirklich erschossen hätte. Moet und die gesamte Pelzindustrie würden wahrscheinlich jedes Jahr Rekordgewinne einfahren. Gleichzeitig wäre das Straßenbild dagegen (auch wenn es komisch klingt) von „Biggie Sportswear“ geprägt sein. Von der Straße für die Straße eben. Fler müsste sich ein anderes Pseudonym suchen. Anstatt phantasierend einen -was wäre wenn?- Artikel zu schreiben, würden wir über die aktuelle Deutschland Tour von Biggie berichten.
Insgesamt würden wir uns auch bei größtem Stress öfter mal „It`s all good“ sagen und einfach für eine viertel Stunde auf den dicken Pappi hören. ... „as I sit back relax“
WGTA