Peter Fox: „Es sollte groß klingen“
Als Sänger von Seeed („Dickes B“) war Pierre Baigorry zwar Frontmann, aber nur einer von elf im Prinzip gleichberehctigten Musikern. Doch Seeed machen Pause, und Pierre, 37, nutzte den Freiraum zur persönlichen Neuerfindung. Er nennt sich jetzt Peter Fox, macht dampfenden Abgehpop der besten Sorte und steht mit seinen Liedern „Alle neu!“, „Haus am See“ und der Berlinhymne „Schwarz zu blau“ sowie dem Nummer-Eins-Album „Stadtaffe“ ganz oben. Wir sprachen mit Peter Fox im Büro seiner Hamburger Plattenfirma.
Peter, erstmal Glückwunsch. Wie fühlt man sich denn als deutscher Konsens-Popstar des Jahres, dreifacher „Echo“ und klarer „Bundesvision“-Gewinner?
Peter Fox: Wenn ich nicht ständig auf Tournee wäre und viel proben müssten, hätte ich deutlich mehr gefeiert. Ging aber nicht. Weiterhin möchte ich betonen, dass beruflicher Erfolg zwar sehr schön ist, aber auch nicht per se glücklich macht.
Lange kannte man dich als Pierre Baigorry, dein Rappername bei Seeed wiederum ist Enuff. Nun aber nennst du dich plötzlich Peter Fox. Kläre das Namenschaos doch bitte mal auf.
Peter Fox: Ich heiße Pierre Baigorry, Enuff nenne ich mich schon seit Jahren nicht mehr, das war nur am Anfang. Und Peter Fox ist nun eben mein Pseudonym. Ich wollte für meinen Soloausflug einen Namen, der griffig ist, der sich leicht merken lässt. Außerdem etwas Internationales, ich singe ja nicht in französischer, sondern in deutscher Sprache. Und Fox habe ich wegen meiner roten Haare genommen, „Foxy“ ist mein Spitzname.
Und wo wir schon beim Aufklären sind. Warum heißt dein Album „Stadtaffe“?
Peter: Die Stadtaffen sind wir selbst. Ich bin ein Stadtaffe, du bist ein Stadtaffe, alle meine Freunde sind Stadtaffen. Die Stadt, in meinem Fall ist das Berlin, ist laut, dreckig, stinkt, und überall trittst du in Hundescheiße. Eigentlicht ist das Wahnsinn, dort zu leben. Aber ich liebe das trotzdem.
Du wohnst in Berlin-Kreuzberg? Ist es dort besonders stadtaffig?
Peter: Allerdings. Eigentlich ist Kreuzberg total grün, aber blöderweise echt einen Tick zu versifft. Neulich war ich mit meiner Tochter, die ist jetzt vier, auf einem Spielplatz. Und da lag doch tatsächlich eine benutzte Spritze rum. Da hört für mich der Spaß auf. Kreuzberg ist echt angenehm zum Leben, speziell wenn du Künstler bist und nicht das allermeiste Geld hast. Hier gibt es tausend Kneipen, Bars, rund um die Uhr was zu essen. Aber mit Kind ist es schwierig. Die Kleine soll was lernen, und ich weiß nicht, ob das auf Schulen so gut klappt, wo viele Kinder kein deutsch sprechen und das auch gar nicht wollen. Privatschule? Auch nicht so mein Ding. Das Kind soll mit richtigen Menschen aufwachsen und nicht mit solchen Kohlefreaks.
In deinem aktuellen Hit „Haus am See“ singst du von der Sehnsucht nach dem Landleben. Zieht doch raus ins Dorf.
Peter: Ich sage in dem Stück aber auch „Hier bin ich geboren, hier werd ich begraben“. Ich kann mir nicht vorstellen, aus Berlin wegzugehen, aber wenn mir die Stadt zu rau wird, und ich drigend Harmonie brauche, dann nehme ich Frau und Kind und fahre raus in die Natur.
Hattest du für deine Soloplatte eigentlich den großen Plan in der Tasche oder bist du einfach angenfangen, Musik gemacht und geguckt, was daraus wird?
Peter: Den großen Plan gab es zwar, aber von dem ist kaum etwas übrig geblieben. Ich wollte gar nicht selbst singen, ich fand das blöd, schließlich singe ich bei Seeed ja schon genug.
Die Idee war, dass Cee-Lo Green singt, auf englisch logischerweise.
Peter: Genau der. Wir haben uns mal kennengelernt und gemerkt, dass wir auf einer ähnlichen Welle funken. Als ich dann akut bei ihm anfragte, meinte er, er müsse noch schnell dieses andere Projekt abschließen und dann hätte er Zeit. Tja, und dann ging „Crazy“ durch die Decke, und Cee-Lo hatte andere Sachen zu tun als mit diesem Fuzzi aus Berlin zu singen.
Peter: Ja. Irgendwann hatte ich genug Abstand zu mir selbst und auch wieder Lust zum Singen und Selbertexten.Es war dann halt auch eine anständige Herausforderung, eine ganze Platte auf deutsch zu machen, die tanzbar ist und ein bisschen Anspruch hat.
Peter: Was ich wollte, war ein gewisser Stil. Eine Stimmung, die es so noch nicht gab. Pop mit deutscher Sprache, aber coolen Pop. Kein Gelaber. Diesen ganzen Reggae und Dancehall, den wir bei Seeed machen, den ließ ich bewusst weg. Man erkennt natürlich Seeed-Wurzeln, weil meine Stimme und meine Art zu singen halt so sind wie sie sind. Aber mir war wichtig, das ganze clubtauglich zu machen. Aber auch ein Orchester dabei zu haben. Die Platte sollte vor allem verdammt groß klingen.
Peter: Klar. Schönower Posaunenchor. Ich war das Waldhorn. Außerdem habe ich so eine richtige klassische Musikausbildung, damit wollte ich mal ein bisschen angeben (lacht).
„Stadtaffe“ ist ein Erfolg, die Singles „Alles neu!“ und „Haus am See“ waren in den Top Ten. Konzentrierst du dich jetzt auf dein Soloding oder geht es weiter mit Seeed?
Peter: Sowohl als auch. Peter Fox zu sein macht mir Riesenbock. Das werde ich auch weiterverfolgen, zunächst jetzt mal mit sehr viel Spaß und Schweiß auf der Bühne. Aber im Sommer treffen wir uns mit Seeed wieder, und dann wollen wir mal gucken, dass wir eine neue Platte auf die Beine gestellt kriegen.
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