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INTERVIEWS

2Raumwohnung

2Raumwohnung – „Sich der Einzigartigkeit des Lebens bewusst werden“





Eigentlich begann es alles andere als geplant. Vor sieben Jahren wurden die beiden Musiker der 2weiraumwohnung, Inga Humpe und Tommi Eckart, von einem ostdeut-schen Tabakwarenhersteller mit der Komposition für einen Werbesong beauftragt. Nein, begeistert waren beide nicht, entschieden sich aber letztendlich dennoch den Song mit dem Titel Wir trafen uns in einem Garten zu schreiben und ihn unter dem Pseudonym 2Raumwohnung zu veröffentlichen. Was dann passierte steht in den schillernden Büchern der Popgeschichte unserer Zeit geschrieben: der Song schlug ein. Und wie! Damit hatten beide nicht gerechnet. Das aus Berlin stammende Duo entschloss sich den Song komplett zu produzieren und als Single zu veröffentlichen. Das funktionierte gut und schnell schoben sie das erste Album mit dem Titel Kommt zusammen nach.
Heute blicken die Beiden von dem Balkon der 2weiraumwohnung auf vier Alben, viele Singleauskopplungen und eine ganze Menge erfolgreicher Konzerte zurück.
Anfang dieses Jahres haben sie nachgelegt und uns wieder einen Silberling mitge-bracht, der auf den Namen 36Grad hört. Die erste Singleauskopplung des Albums mit dem Titel Besser geht’s stieg auch gleich weit oben in den Charts ein. Aus Sicht der Beiden also wirklich Grund genug zu sagen: besser, geht’s nicht!
Am 17.03.2007 machen Inga und Tommi auch in Dresden im Alten Schlachthof halt. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Tommi Eckart über Tod, Leben, Glück und an-dere wichtige Dinge des Lebens.



Habt ihr euch damals je vorstellen können, dass aus einem kleinen Werbesong mal eine bis heute, gut 6 Jahre andauernde, erfolgreiche Musikkarriere wachsen würde?

Also wir haben damit auf alle Fälle nicht gerechnet. Am Anfang wirkte das Ganze eher wie nur so ein kleines persönliches Projekt. Da gab es durchaus andere Projekte, denen wir da mehr Potenzial zugetraut haben.

Vielleicht war es ja gerade dieses Ungeplante und Zufällige was letztendlich zum Erfolg des Projektes 2Raumwohnung führte?

Ich glaube schon, dass es da einen Zusammenhang gibt. Es gibt einen Unterschied ob man mit dem Kopf oder eben ohne ihn an solche Projekte und Dinge herangeht. Wenn man mehr auf das Gefühl und auf das Passieren der Dinge baut hat man, glaube ich, viel größere Chancen die richtigen Töne und den Nerv der Zeit zu treffen. Gerade Musik und Kunst sind so schwer zu fassen oder zu definieren das es in die-sen Bereichen verdammt schwer ist etwas zu Planen oder sich Auszudenken.

Besser geht’s nicht ist bisher eure erfolgreichste Single was die Chartplatzierung betrifft. Ihr habt sie zusammen mit Rosenstolz produziert bzw. geschrieben. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

Ich glaube wir kennen Rosenstolz jetzt seit ungefähr fünf Jahren. Wir haben sie da-mals auf der Popkomm kennengelernt. In den letzten Jahren hat sich ein sehr freund-schaftliches Verhältnis zwischen uns entwickelt und daher hatten wir es auch schon länger mal vor etwas gemeinsam zu machen. Wir haben die Beiden dann während eines Spanienaufenthaltes im letzten Sommer in Barcelona besucht. Ungefähr vier oder fünf Tage waren wir dann letztendlich dort und haben in dieser Zeit zusammen geschrieben und produziert. Insgesamt sind es dann zwei Songs auf dem Album ge-worden, die wir zusammen mit einem Teil von Rosenstolz, nämlich Peter Plate und einem Freund von ihm, produziert haben. Da ist zum einen die erste Singleauskopp-lung Besser geht’s nicht und zum anderen der Song 36Grad.

Im Video zu Besser geht’s nicht thematisiert ihr das Thema Leben, Glück und Tod. Ein neuer Mensch wird geboren, ein Alter geht. Was fasziniert euch an dieser Thematik und was war der Grund gerade einen solchen Song als erste Singleaus-kopplung zu wählen – es ist ja nicht gerade eine einfache Thematik für eine erste Single!

Ich finde es eigentlich gut, wenn bei Musik ein Song immer erst einmal so etwas wie ein Türöffner ist. Ein erstes Bild zeichnet und man darüber dann ganz automatisch in die zweite, die textliche Ebene einsteigen kann und so tiefer in weitere Dimensionen oder Schichten des Songs hineinkommt. Ich glaube auch, dass die Thematik und damit der Song uns deswegen so faszinieren, weil Tod ein Thema ist, was jeden von uns beschäftigt. Faktisch dann aber doch nicht, weil dieses Thema ja irgendwie immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft ist und in der Öffentlichkeit nicht viel drüber gesprochen wird. Jeder lebt so dahin als wäre das Leben ewig und ein selbstverständliches Geschenk, wo man sich auch gerne mal beschwert oder garantieartig irgendwo irgendwelche Mängel am Leben anmelden möchte. Vielleicht wird einem die Qualität des Lebens einfach deutlicher, wenn man sich der Vergänglichkeit und der Einzigartigkeit des Lebens bewusster wird.

Wie wichtig ist es für euch in einer Stadt wie Berlin zu leben? Ist Berlin wirklich dieses Künstlermekka was kreative Menschen brauchen um produktiv zu sein?

Man muss natürlich nicht in Berlin wohnen um kreativ sein zu können. Aber es sind verschiedene Faktoren, die diese Stadt für Künstler interessant machen. Berlin ist einfach preisgünstig. Es gibt hier Massen an Proberäumen, Ateliers oder Studios. Es ist auch irgendwie eine weniger existenziell anstrengende Stadt wie zum Beispiel München. Es kommen auch viele Künstler und Musiker aus dem Ausland nach Ber-lin, die dann total begeistert sind. Wenn man zum Beispiel als Musiker in London lebt und dann nach Berlin kommt, dann ist das erste, was total entspannt, die deut-lich niedrigeren Lebenskosten. Dann spielt natürlich auch die Stimmung in dieser Stadt eine große Rolle. Der Charakter Berlins ist einfach sehr stark von der Wieder-vereinigung geprägt. Das eine geteilte Stadt durch eine friedliche Revolution wieder zu einem großen Ganzen geworden ist und sich damit hier auch die Kultur von zwei ehemals verschiedenen Ländern getroffen hat, immer noch trifft und Stück für Stück wieder zu einer gemeinsamen zusammenwächst. Vor allem diese Situation verleiht der Existenz dieser Stadt und dem Leben in ihr ein großes Spannungsfeld, was auf viele Menschen und Künstler anziehend wirkt. Berlin bietet als Stadt einfach einen guten Nährboden für kulturelle Entfaltung aller Art.

Es gibt ja immer einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem was Künstler erleben, sehen, hören und dem was sie selbst produzieren. Anstatt euch jetzt zu fragen wie Ihr euren Sound selber beschreiben würdet, frage ich euch lieber was, egal ob Musik, Malerei, Fotografie oder etwas ganz Anderes, euch besonders bei eurer Musik inspiriert und damit einen Teil, zu dem Sound den ihr macht, bei-trägt?

Inspirierend ist da wirklich alles was man hört. Wenn man zum Beispiel Madonna oder Brian Eno hört, wenn man Black Eyed Peas oder Bob Marley einlegt, da ist ein-fach immer irgendetwas dabei was einen inspiriert. Ob nun direkt oder eher ver-steckter – die ganze Bandbreite, von Clubmusik bis hin zu eher ruhigen Tönen, fließt in unseren Sound mit ein. Bei den Texten wiederum sind wir, oder ist Inga, zum Bei-spiel auch oft inspiriert von Nachrichten, Geschichten, Gesprächen oder Wörtern die einem den ganzen Tag um den Kopf fliegen. Inga hat auch Textbücher, in denen sie gewissermaßen solche Textfetzen oder Wörter einfach nur aufschreibt und sammelt, aus denen dann später auch wieder Anregungen zu Texten entstehen können.

Ihr habt euch mit eurem eigenen Label it.sounds ein zweites Standbein aufgebaut. Was ist euch an dem Sound eurer Künstler, bzw. an Künstlern, die für euch als Labelmacher interessant sind, wichtig?

Für uns ist es vor allem wichtig, dass es eigenständige Künstler sind. Künstler, deren Persönlichkeit sich in den Sachen die sie machen wieder findet. Wir wollen Musiker, die einen sehr persönlichen und individuellen Weg gehen – einfach Leute, die echte Künstlerpersönlichkeiten sind.

Ihr seid beide nicht mehr die Jüngsten. Ich empfinde das allerdings als einen sehr angenehmen Gegenpol zu dem generellen Jugendtrend im Bereich der musikali-schen Popkultur. Gibt es den Wunsch sich in Zukunft wieder mehr dem Studioall-tag oder dem Labelbetrieb zu widmen, sprich, sich zurück zu ziehen oder seid ihr nach wie vor heiß und motiviert, in der Küche der 2Raumwohnung an neuen Al-ben, Songs und Konzerten zu kochen?

Es macht uns nach wie vor einen sehr großen Spaß. Es ist schon oft so, dass viele Mu-siker oder Künstler, wenn sie Älter werden, dann aus der Popmusik rausgehen und zumindest diese Aktive Seite, die öffentliche Bühne des Musikgeschäftes verlassen. Ob nun gewollt oder ungewollt sei dahingestellt. Aber im Prinzip kann man es schon noch gut machen in dem Alter in dem wir sind. Es ist ja noch nicht unbedingt ein Lebensabschnitt, in dem die Energien wirklich verschwinden, wo man wirklich Al-tersschwach wird und physische Probleme bekommt. Ich habe jetzt wo ich auf die Mitte der Vierzig zugehe durchaus nicht das Gefühl weniger Energie zu haben, als zu der Zeit als ich Anfang Zwanzig war. Es macht nach wie vor auch Spaß vor einem so breit gefächerten Publikum zu spielen, wie wir es immer wieder erleben. Das ist wirklich schön. Da gibt es einen Schwerpunkt von 15 bis 35 – aber durchaus auch Ältere die unsere musikalischen Aktivitäten von Beginn an verfolgen. Und im Ge-genzug auch jüngere. Zum Beispiel reagieren Kinder immer wieder positiv auf unse-re Musik.

Werdet ihr wieder mit Band unterwegs sein und was habt ihr für Erinnerungen an Dresden?

Wir sind auf jeden Fall wieder mit einer Band unterwegs. Auf dieser Tournee auch mit einer größeren als bisher. Insgesamt haben wir drei zusätzliche Musiker. Wir ha-ben ein ganz neues Bühnenbild. Was ganz helles mit viel Licht und Monitoren. Au-ßerdem haben wir noch zwei Sänger mehr mit auf der Bühne, die uns unterstützen werden. Das sind die hauptsächlichen Veränderungen was die ganze Bühnenge-schichte betrifft. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die Konzerte in Dresden. Besonders an eines der ersten im Parkhotel. Damals waren wir noch zu zweit. Auch das Konzert auf der letzten Tour war wirklich schön. Auch an Dresden erinnert man sich natürlich gerne. Es ist einfach eine sehr schöne Stadt in einer wunderschönen Lage und Bausubstanz.

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch einen guten Start für die kommenden Konzerte.

Interview: Friedemann Schreiter

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