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K.I.Z.: Asis mit Niveau

Die ironischen Berliner Obszönrapper erweitern auf ihrem neuen Album „Sexismus gegen Rechts“ ihr Repertoire und sind auf sehr gutem Wege, die Ärzte des 21. Jahrhunderts zu werden.

Dass ihr neues Album „Sexismus gegen Rechts“ verglichen mit den vorherigen Werken „Das RapDeutschlandKettensägenMassaker“ (2005) und „Hahnenkampf“ (2007) unter einer gewissen Schwanzlosigkeit leidet, möchte Tarek Ebéné in dieser Form nicht bestätigen. Sicher, K.I.Z. sind, wie nun überall zu lesen ist, politischer geworden. Mit „Rauer Wind“ haben sie eine – noch vor dem Finanzcrash verfasste – Böse-Banker-Hymne im Programm, deren Inhalt man politisch, besser jedoch zwischenmenschlich auffassen kann. Und „Straight outta Kärnten“ ist nicht nur die allererste Ballade der Band. Sondern auch ein als Ode an den tödlich verunfallten Jörg Haider getarnter Sympathie-mit-Nazis-Vorwurf an die Adresse der Österreicher. Tarek: „Es ist für uns nicht zu begreifen, wie kultisch dieser Mensch in Österreich verehrt wird.“

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Als die Band kürzlich ein Konzert in Linz gab, wurde der Song von mehr Buhrufen und Becherwürfen begleitet, als man sich das hatte träumen lassen. Doch ansonsten muss natürlich niemand auf den K.I.Z.-typischen Koitalhumor verzichten. Schließlich haben Tarek und seine Kumpels Maxim Drüner, Nico Seyfried und Sil Yan Bori immer noch „Lust, dir mein Ding zwischen die Titten zu schieben“ („Preisschild“) oder verkünden: „Ich ficke die Nutte im Stehen, denn ich bin ein Tortenheber“ („Lass die Sau raus“).

K.I.Z. sind kluge Kerle. Und ein Stück wie „Ohrfeige“, das aus der Perspektive von jemandem geschrieben ist, der seine Frau an der kurzen Leine halten will, aber von selbiger an ebenjener durch die Beziehung geführt wird, ist quasi Feminismus durchs Hintertürchen. Ähnlich wie Deichkind oder Eminem agieren die in recht bürgerlichen Berliner Verhältnissen aufgewachsenen Jungs mit doppeltem Boden. „Wir sind natürlich keine Asis“, sagt Tarek, „aber es ist praktisch, so zu tun als ob.“

Die Grundidee der krassen Kombo war es ursprünglich, ein schmerzhafter Verbaltritt in die Eier der Aggro-Rapper zu sein. Ein Genre, das immer dumpfer, dööfer und frauenfeindlicher wurde, haben K.I.Z. mit ihrem zutiefst ironischen und bösen Gegenentwurf unterwandert. Inzwischen sind humorlose Figuren wie Fler weitgehend von der Bildfläche verschwunden, der deutsche sogenannte Gangsta-Rap hängt am Tropf. Während gewitzte Satiriker wie K.I.Z. triumphieren und es sich aus Mangel an natürlichen Rapfeinden erlauben können, den musikalischen Kosmos nicht nur um mehr Pop und mehr Disco zu erweitern. Sondern mit einer neugetexteten Version des Sixties-Rockabilly-Hits „Halbstark“ zur Abwechslung auch mal ein richtig harmloses Sommerliedchen anstimmen.. Tarek: „Wir fanden die Nummer cool und wollen einfach nicht auf diese Schwanzkiste reduziert werden.“

Die allermeisten Medien, auch die landläufig als seriös geltenten Feuielletons der großen Zeitungen, verehren K.I.Z. „Auch dort gibt es Leute, die uns ablehnen, aber die meisten halten uns für schlau.“ Auch das Publikum goutiert in Massen. „Hahnenkampf“ kam in die Top Ten der deutschen Albumcharts, bei Konzerten versammeln sich regelmäßig 1000 Menschen und mehr.

Nur ernst nehmen sollte man das derbe Verbalgebumse nicht. „Wir haben von der Bild-Zeitung gelernt, dass man Erfolg damit hat, wenn man die Sachen so reißerisch wie möglich darstellt“, so Tarek. „Wer auf den ersten Blick plakativ ist und plump, der erreicht die Kiddies. Wer den Holzhammer auspackt, der kriegt auf dem Schulhof die meiste Aufmerksamkeit, das ist einfach so. Mit erhobenenem Zeigefinger brauchst du denen gar nicht zu kommen.“

Man kann es natürlich inmitten all der vermeintlichen juvenilen Verrohung, der Kinder-Gangbangs und der Amokläufe auch kritisch sehen, wenn vier Fast-Noch-Teenies Zeilen rappen wie „Ich will töten – ich habe Frühlingsgefühle“ („Töten“). „Wir sind uns der Verantwortung gegenüber unseren Fans bewusst. Aber wir wollen denen beibringen, dass man nicht alles so nehmen sollte, wie es auf den ersten Blick erscheint. Und es ist halt komplett absurd, wenn es heißt, dass Musik jemanden zum Amokläufer gemacht hat.“
Manch einem Jungmenschen fehlt freilich das für den K.I.Z.-Genuss nötige Augenzwinkererkennungstalent. „Neulich hat mich ein 13-jähriges Mädchen vor laufender
Kamera gefragt, ob ich mit ihr Sex haben möchte. Das hat mir Angst gemacht. Sex ist für die Kids nur noch ein Tauschmittel, das mit Zärtlichkeit nichts mehr zu tun hat. Ich finde diese Entwicklung schade.“

Und die Gründe dafür sind „auf jeden Fall nicht wir.“

Text: Steffen Rüth
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