CLUESO -Diese Zeit ist vielleicht die Schönste -

Das der aus Erfurt stammen-de Clueso gerne und viel mit Einflüssen aus verschiedenen musikalischen Genres spielt, dürfte bekannt sein. Zusammen mit seiner Band hat er sich in der Vergangenheit auf zahlreichen Konzerten einen Namen erspielt und sich in den letzten Jahren mehr und mehr als deutscher Singer und Songwriter etabliert. Nachdem das aktuelle Album im letzten Jahr die Aufmerk-samkeit auf sich zog, tourte Clueso eifrig durch verschiedene Länder, unterstützte Herbert Grönemeyer bei seiner diesjährigen Tournee, veröffentlichte kürzlich eine Live-DVD und wagte sich zu Beginn dieses Jahres an die ganz großen Gefühle: Clueso und Band mit der Stüba Phil-harmonie.
Du hast gerade die Tournee mit Herbert Grönemeyer hinter Dir. Wie wars?
Es war natürlich eine Riesensache. Die ganzen Konzerte in Stadien mit teilweise 60.000 Menschen. Das war eine ganz anderes Ding als unsere sonstigen Konzerte in Clubs oder größeren Hallen. Das Publikum ist ein ganz anderes. Man kann sich auf so etwas Großes auch nicht vorbereiten. Vor jedem Konzert sind wir mit der kompletten Band in die Kabine und haben zu uns gesagt, dass es vielleicht das einzige Mal sein wird, wo wir so eine Chance bekommen. So haben wir uns vor den Konzerten motiviert und uns die Einzigartigkeit des Moments vor Augen gehalten.
Gab es ein richtig einschneidendes Erlebnis?
Das Konzert in Leipzig ist mir bis jetzt in Erinnerung geblieben. Das war der Punkt, an dem ich irgendwie verstanden habe, wie das Publikum bei solch großen Konzerten drauf ist. Im Club, da gehen alle ab. Im Stadion musste ich erst kapieren, dass es kein schlechtes Zeichen ist, wenn die Leute still wer-den sie hören einfach nur zu. Was auch witzig war: Grönemeyer kam ab und zu mal vorbei und hat uns gefragt, wann wir denn endlich seinen Lieblingssong spielen: „Egal wo“ mit Blumentopf vom Album „Gute Musik“. Als wir in München den Song mit Blumentopf live gebracht haben, da stand er ganz vorne an der Bühne und ist richtig abgegangen.
Wie kam es überhaupt zu der Support-Sache?
Ein kurioser Zufall. Und zwar hat die Tochter von Grönemeyer ihm unseren Sound vorgespielt, weil sie ihn einfach cool fi ndet. Ihm hat unsere Musik auch sofort gefallen und er hat uns daraufhin eingeladen, ihn als Support auf seiner Tour zu begleiten. Dann gingen ein paar Mails hin und her und ich habe es erst für mich behalten. Schließlich bin ich dann zu meiner Band und hab denen alles erzählt. Da war was los.
Clueso und Band mit der Stüba Philharmonie: Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ein Freund, mit dem ich schon sehr lange Musik mache, spielt in diesem Orchester. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich richtig Bock hätte, mal etwas mit einem Orchester zu machen. Andi, mein Manager, hat dann heimlich eine komplette Probe organisiert. Als ich dann da war und auf einmal statt einer normalen Probe das komplette Orchester vor Ort war, den Song „Gute Musik“ spielte und ich singen sollte, da war ich schon sehr gerührt und habe erst einmal einen Kloß im Hals gehabt. Das war ein sehr krasser Moment.
Wie ist es für Dich mit einem Orchester Deine Songs zu präsentieren?
Natürlich etwas ganz Besonderes. Ich steh inmitten von einem riesigen Orchester mit 70 Personen, meiner Band und dem Publikum. Da habe ich mich schon gefragt, wer mich als erstes angreift (lacht). Es ist natürlich sehr emotional und man muss sehr genau hinhören, damit man alles mitbekommt, was das Orchester spielt. In Berlin musste ich das Publikum auch immer wieder dafür sensibilisieren, mal richtig zuzuhören. Ich hab mich dann auf die Bühne gesetzt und demonstrativ zugehört. Außerdem spielen alle Musiker ohne Gage. Sie machen es auf eigene Kosten – weil sie den Sound so fett fi nden. Dass ist natürlich Wahnsinn und macht dieses Projekt erst möglich.Kürzlich ist auch die DVD „Clueso Weit weg Live“ erschienen.
Erzähl etwas darüber.
Im Moment haben ich und meine Band vielleicht die schönste Zeit, seit wir zusammen Musik machen. Eine Zeit, über die ich später vielleicht mal viel reden werde. Wir machen seit Jahren Musik und jetzt ist so ein Punkt, wo so viel Großes in greifbare Nähe gerückt ist. Wo man merkt, wie viel Dynamik alles in sich trägt. Dieses Jahr, das Album, der Support von Grönemeyer, die eigene Tour – es ist irgendwie so ein Punkt, an dem man einfach inne halten will und versucht, zu genießen. Die DVD soll ein Päckchen sein, was diesen Moment einfängt und ihn für uns und die Fans ein Stück greifbarer macht. Es gibt auf der DVD einen kleinen Dokumentarfilm über uns, das Konzert der Weit-weg-Tour in Köln, die Premiere mit der Stüba Philharmonie in Berlin und eine Menge weiteres Material.
Gibt es schon Pläne für ein nächstes Album?
Im Moment will ich eigentlich nach Görlitz. Zum Texte schreiben, um musikalische Skizzen weiter zu führen und um an Ideen und Songs zu feilen. Nur irgendwie fi nd ich bisher keine Wohnung (lacht). Mich inspiriert diese Stadt. Sie ist die östlichste Deutsch-lands und an vielen Stellen so schön und doch so tot. Dazu kommt die Geteiltheit durch die Grenze zu Polen. Irgendwie sind die Menschen dort auch noch total natürlich. Die Großstadt lenkt schnell ab. Ich brauche im Moment eher so ein Ort wie Görlitz, um kreativ zu sein. Im Herbst geht es dann nach Spanien. Wir haben dort ein Haus gemietet und werden sechs Wochen am neuen Album arbeiten.
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